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Geschichte

Geschichte der Evangelischen in OÖ

Geschichte der Evangelischen in OÖ

„In keinem österreichischen Bundesland schlug die lutherische Reformation früher und tiefer Wurzeln als in Oberösterreich. Von ihr wurde auch der Adel ergriffen, denn in einer Zeit der religiösen, sozialen und politischen Auflösung erschien die Reformation als die Morgenröte in einer neuen Zeit.“(
1) Unter den Adelsgeschlechtern, die sich der Reformation anschlossen, waren es vor allen anderen die Jörger, die Starhemberger und die Polheimer. In ihren Burgen und Häusern wurden evangelische Gottesdienst eingeführt und diese auch allgemein der Bevölkerung zugänglich gemacht. Dennoch war die Reformation vor allem eine echte Volksbewegung, getragen von Handwerkern, Studenten, Händlern und Soldaten, die in Deutschland von der „Neuen Lehre“ gehört hatten und diese in ihrer österreichischen Heimat verbreiteten.
1525 ist Oberösterreich in dem Maß lutherische, wie es heute römisch-katholisch ist. Der Steyrer Chronist Jakob Zetl nennt das Land ob der Enns ein „Erzlutherisches Land“
Kaiser Fernand I, in Spanien geboren und erzogen, war ein entschiedener Gegner der Reformation und verbot 1523 das Lesen lutherischer Bücher und die Verbreitung der Lehre. 1524 wurde in Wien Kaspar Tauber wegen seines Bekenntnisses zur evangelischen Lehre und deren Verbreitung enthauptet und verbrannt. 1527 wurde der frühere Kaplan von Waizenkirchen Leonhard Kaiser auf einer Inninsel bei Schärding bei lebendigem Leibe verbrannt. Dennoch konnte Ferdinand die Gegenreformation nicht konsequent durchführen, da er von den überwiegend evangelischen Ständen Geldbewilligung für die Türkenkriege benötigte. Sein Nachfolger Maximilian II, war der erste und einzige Habsburger, der den Evangelischen wohlwollend gegenüberstand. Unter ihm konnte sich die Reformation ungehindert ausbreiten. Weithin wurde sie in Oberösterreich nicht als eine neue Kirche neben der alten gesehen, sondern als eine Erneuerungsbewegung innerhalb der bestehenden Kirche empfunden und solche auch von den Klöstern begrüßt.(
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An so manchen Orten herrschten geradezu „ökumenische Verhältnisse“. Dem katholischen Pfarrer standen Pfarramtsrechte mit Besoldung, Messfeiern und Stolgebühren zu, den Pfarrgottesdienst und die meisten Amtshandlungen hielten die evangelischen Prädikanten, die als Gesellpriester angestellt waren und von der Stadt- oder Marktgemeinde besoldet wurden, so etwa in Freistadt fast 30 Jahre lang! (
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Vor allem erlebte das Schulwesen eine besondere Blüte. Das neu errichtete Landhaus in Linz beherbergte nicht nur die Landeskanzlei sondern auch die Evangelische Landschaftsschule, in der auch der große Gelehrte und Namenspatron der Universität Linz, Johannes Kepler, wirkte, bis ihn 1626 die Gegenreformation aus Österreich vertrieb. Der „Steinerne Saal“ im Landhaus war 50 Jahre lang evangelischer Gottesdienstraum. Er wurde 1611 als solcher ausgebaut und gestaltet. Die unmittelbar angrenzende Minoritenkirche blieb auch in Zeiten evangelischer Mehrheit in der Stadt immer römisch- katholische Kirche mit römischer Messfeier.

Schlagartig änderten sich die Verhältnisse für die Evangelischen in unserem Bundesland mit Kaiser Ferdinand II. 1624 erließ er das Reformationspatent. Alle evangelischen Prädikanten und Schulmeister mussten binnen acht Tagen das Land verlassen, die Evangelischen in der Bevölkerung innerhalb eines Jahres wieder katholisch werden oder das Land verlassen. Rund 100.000 sind vor allem nach Mittelfranken ausgewandert. Das verlassene Land erlitt einen wirtschaftlichen Niedergang.

Ab 1734 gab es für hartnäckige Protestanten zwangsweise Umsiedlung nach Siebenbürgen/Rumänien, wobei bei einigen Transporten Kinder unter 14 zurückbehalten wurden. 1625 kam es bei Frankenburg zu dem tragischen „Würfelspiel“, durchgeführt durch den Baerischen Stadthalter Graf Herbersdorf.
Die Frankenburger hatten gegen die Vertreibung ihres evangelischen Predigers und die Einsetzung eines katholischen Priesters protestiert. Beim Aufruhr unbeteiligte Ratsherren und Leiter der Bürgergemeinden mussten um ihr Leben würfeln und 17 von ihnen wurden sogleich gehängt. Die Empörung löste den Oberösterreichischen Bauernkrieg aus, der vor allem ein Kampf um die Glaubensfreiheit war.

Erst nach 160 Jahren, 1781 gewährte Kaiser Joseph II die Duldung des Evangelischen Glaubens, allerdings zunächst auch mit vielen Einschränkungen. Es ist für viele rätselhaft, dass sich nach so langer Verbotszeit, dann doch noch 73.000 in Österreich zum Evangelischen Glauben bekannten. Die Evangelische Kirche in Österreich war eben von Anfang an eine Laienbewegung.

Die Gesetze von 1849 und 1861 brachten weiter Besserungen und die volle Freiheit der Religionsausübung. Kirchen durften nun wie solche aussehen mit Turm, Glocke und Rundbogenfenster, was zuvor ausdrücklich verboten war. Bis 1970 war die Evangelische Kirche in Österreich eine permanent wachsende Kirche, vor allem auch durch die Zuwanderung evangelischer „Volksdeutscher“ 1944, die ihre alte Heimat verlassen mussten. Die völlige rechtliche Gleichstellung mit der römisch-katholischen Kirche erfolgte erst 1961 im „Bundesgesetz der äußeren Rechtverhältnisse der Evangelischen Kirchen in Österreich“

Nach kirchlicher Statistik gibt es derzeit 339.300 Evangelische In Österreich, ca. 4% der Gesamtbevölkerung. In Oberösterreich leben 56.200 Evangelische in 35 Pfarrgemeinden und 8 Tochtergemeinden, die von rund 40 Pfarrerinnen und Pfarrern betreut werden, unterstützt von rund 70 Lektoren und weiteren Mitarbeitern im Religionsunterricht, in Jugend- und Seniorenarbeit. In Leonding bei Linz gibt es weiters eine Gemeinde der Evangelischen Kirche Helvetischen Bekenntnisses.
In Oberösterreich sind heute die ökumenischen Kontakte und die Zusammenarbeit im sozialen Bereich besonders vielfältig und erfreulich.

Mag. Hansjörg Eichmeyer
Superintendent i.R.
(
1) Prof. Karl Eichmeyer: „Das Evangelium in Vöcklabruck“ S.32
(
2) Karl Eder: „Das Land ob der Enns vor der Glaubensspaltung“ S. 401
(
3) Dr. Leopold Temmel: „Evangelisch in Oberösterreich“ S.33

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